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Geschrieben von Administrator   
Freitag, 11. September 2009

Der Sportverein „BLUE DONAU“ Zwentendorf und seine Geschichte 

Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges war das Bedürfnis nach sportlicher Betätigung in der Freizeit immer stärker geworden. 1922 gründeten Belegschafts­angehörige der Skodawerke-Wetzler AG einen Sportverein unter dem Namen »Hellas«. Dieser Verein umfasste die Sektionen Fußball, Leichtathletik, Schwerathletik, Schwimmen, Turnen und Fechten. Die Einschreibgebühr betrug 500 Kronen und die Mitgliedsgebühr 200 Kronen. (0,068 €) Die Sportanlagen befanden sich hinter den Baracken beim Tor 2, wo sich neben einem Schwimmbecken und einem Kinderspielplatz auch ein Fußballplatz befand. Dieser war jedoch für einen geregelten Meisterschaftsbetrieb nicht geeignet. Der Gastwirt Heinrich Paschke aus Dürnrohr stellte 1925 einen außerhalb des Werkes liegenden, größeren Platz zur Verfügung. Zum Sektionsleiter der Fußballsektion wurde Josef Bunzengruber gewählt, Zeugwart war Franz Schöpf und Platzwart Alois Mandl. Das Klublokal befand sich im Gasthaus Trünkl in Moosbierbaum, wodurch Hellas eher ein Moosbierbaumer Verein geworden war.Aber auch in der Gemeinde Zwentendorf wuchs die Begeisterung für den Fußball. Daher wurde vom damaligen Bürgermeister Hans Brachmann das heutige Sportplatzgelände, der sogenannte Kälbergarten, von der Gutsherrschaft Althann eingetauscht und als Fußballpatz zur Verfügung gestellt.Zuerst wurde nur »wild« gekickt, um die Grundbegriffe des Spiels zu erlernen. 1927 folgte die Gründung des Sportvereins »Blaue Donau« Zwentendorf durch Johann Höchtl, Franz Grestenberger und Josef Mayer. Es gab damals nur eine Leistungsklasse, also keinen Auf- oder Abstieg. Zu den Spielen wurde mit der Bahn oder mit dem Autobus gefahren, war der Gegner nicht so weit entfernt, benutzte man das Fahrrad.Im Jahr 1929 spielten die beiden Vereine Hellas und Zwentendorf in der 1. Klasse Nord. Es kam dadurch zu brisanten Derbys. Bei einem »Freundschaftsspiel« in Moosbierbaum (der Hellas-Platz war jetzt gegenüber dem Gasthaus Müllner) kam es zu groben Ausschreitungen. Ein Hellas-Spieler musste mit der Rettung ins Spital gebracht werden – das Spiel wurde abgebrochen. Erst zu Ostern 1931 kam es zur Versöhnung der beiden Mannschaften, die durch zwei Spiele – eines in Moosbierbaum und eines in Zwentendorf – besiegelt wurde.Nachdem beide Vereine mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, beschloss man im Jänner 1932 eine Fusionierung. Der Name lautete nun »Sportklub Hellas Zwentendorf-Moosbierbaum«. Diese Verbindung hielt allerdings nur für ein Jahr, 1933 kam es zur Auflösung. Der Sportverein »Blaue Donau« dürfte allerdings seinen Spielbetrieb wieder aufgenommen haben, ohne jedoch an der Meisterschaft teilzunehmen.Bereits drei Jahre vorher war in Zwentendorf ein zweiter Fußballverein gegründet worden. Der »SC-Vorwärts Zwentendorf« sollte das christlich-soziale Gegenstück zum sozialdemokratisch geführten »SV Blaue Donau« sein. Das Klublokal befand sich im Gasthaus Stopfer. Obmann war Johann Stopfer, sein Stellvertreter Franz Grubmüller und Schriftführer Alois Wallisch.1934 wurde der »SV Blaue Donau« infolge des Arbeiteraufstandes endgültig aufgelöst und der »SC Vorwärts« blieb bestehen. Aber auch bei »Vorwärts-Zwentendorf« lief es nicht wunschgemäß. Die finanzielle Situation war schlecht, die Spielbegeisterung und das Zuschauerinteresse waren gering. 1935 musste der Spielbetrieb sogar vorübergehend eingestellt werden. 1936 erfolgte ein neuer Anlauf unter einem neuen Obmann, Ferdinand Stradel. Als dieser seine Funktion im Mai 1937 zurücklegte, war auch das Ende des Vereins »SC-Vorwärts« gekommen. Die noch vorhandenen Spielutensilien (Dressen, Stutzen, Schienbeinschützer, Tornetze, etc.) übernahm die Gemeinde. Später wurden diese zum Teil der Hitlerjugend zur Verfügung gestellt, zum Teil von der Donau Chemie AG übernommen. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war jedes Vereinsleben erloschen.Bemerkenswert ist auch, dass sich in den 30er Jahren eine Damen-Handballmannschaft etabliert hatte, in der unter anderen Frau Lina Schneider, Frau Rakowitz, Frau Nemec und Frau Smija spielten. Kaum war der Krieg beendet, erfolgte die Neugründung des Vereins SV „Blaue Donau“ Zwentendorf. Etwa im Juni 1945 überlegten die Herren Anton Schneider und Franz Plattig im Gasthaus Rabl, ob eine Aufnahme des Spielbetriebes möglich wäre. Johann Hackensöllner stellte sich als Obmann zur Verfügung.Es begann mit Freundschaftsspielen, z. B. gegen Reidling und sogar gegen die sowjetische Besatzungsmacht. Von einem dieser Spiele wusste Herr Schneider eine nette Episode zu berichten: Johann Hackensöllner, der Sohn des Obmanns, wurde von einem Soldaten gefoult und machte sich mit einem klassischen Zitat Luft. Der so Angesprochene war Oberleutnant und verstand durchaus, was gemeint war. Es gab aber keinerlei Folgen, das Spiel ging weiter und Zwentendorf siegte 4:3.Im Herbst begann die Meisterschaft. Da nur wenige Vereine bereits den Spielbetrieb aufgenommen hatten, existierte nur eine Leistungsgruppe. Das Spieljahr 1946/47 sah bereits mehr Vereine (in drei Klassen), da viele Heimkehrer gekommen waren und das Leben sich langsam normalisierte. In dieser Zeit bildete sich zum zweiten Mal eine Handballsektion. Eine sehr gute Damenmannschaft und eine Herrenmannschaft sorgten auf dem Sportplatz für Abwechslung.1948 folgte wieder ein Rückschlag. Alle Spieler, die im Werk Moosbierbaum beschäftigt waren (fast die gesamte Mannschaft), wurden mehr oder weniger gezwungen, dem dortigen Betriebssportverein beizutreten. Die jungen Spieler konnten die Abgewanderten nicht vollwertig ersetzen, der Abstieg war unvermeidlich.In den nächsten Jahren spielte man in verschiedenen Leistungsgruppen. Hervorzuheben ist die Zeit von 1955-1960, in der die Mannschaft in der zweithöchsten niederösterreichischen Klasse vertreten war.Die Obmänner nach dem Krieg waren, wie schon erwähnt, Johann Hackensöllner, für kurze Zeit Herr Kornberger, Bürgermeister Heinrich Rabl, Anton Handelsberger und von 1957-1970 Josef Hirschvogl.Nach dem Rücktritt von Josef Hirschvogl trat kurzfristig Leopold Koller an seine Stelle. 1971 übernahm Ing. Ludwig Ejzner die Vereinsführung und behielt sie bis 1975. In seine Zeit fällt der Bau der neuen Sportanlage in Zwentendorf. Mit Mitteln der Gemeinde und dem Einsatz vieler freiwilliger Helfer wurde der Platz saniert und eine Tribüne errichtet. Gespielt wurde in der Zwischenzeit in der alten Werkssportanlage in Moosbierbaum.Ab 1972 formierte sich auch eine Damenfußballmannschaft, die eine Reihe von Freundschaftsspielen durchführte. Natürlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass beim SV Zwentendorf in all den Jahren seines Bestehens auf die Nachwuchsarbeit besonderes Augenmerk gelegt wurde und wird. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es immer wieder talentierte Zwentendorfer gab, die in höheren Klassen Fuß fassen konnten. »Hauptabnehmer« war in den 70er und 80er Jahren der SC Tulln, der damals in der Regionalliga, der zweithöchsten österreichischen Spielklasse, zu den Spitzenklubs zählte. Spieler wie Robert und Ernst Eisenschenk, Paul Brandstetter, Karl Pavesicz, Franz Muck, Rainer Gamauf, Franz Weikmann, Mathias Denk (Simaichel) und Michael Donaubauer zählten dort zu den absoluten Stützen. Alois Hütterer (Simmering) und Josef »Bobby« Simetzberger (Sportklub) schafften es sogar in die höchste Spielklasse.Zwei der besten Leichtathleten Österreichs, Ralf Hegny und Steffi Mrazek, beide mehrfache Staatsmeister, waren ebenfalls in Nachwuchsmannschaften des SV Zwentendorf aktiv. Von 1975 bis 1980 führte Ernst Schiegl den Verein, dann wurde er von Franz Hummer abgelöst. 1983 musste dieser aus Zeitgründen sein Amt zurücklegen. Erneut übernahm Ernst Schiegl die Leitung des Vereines.In diesem Jahr stieg die Mannschaft unter Trainer Ernst Kauper in die Unterliga Nord-Nordwest auf, wo sie sich 10 Jahre lang behaupten konnte.Die Obmänner in der Unterliga-Zeit waren Ernst Schiegl, Werner Marx, Franz Hummer, Manfred Hummer, Franz Gallistl und interimsweise Dir. Ernst Hochmuth.  In den Jahren nach dem Abstieg aus der Unterliga gab es keine besonderen sportlichen Erfolge. Äußerst erfolgreich war man jedoch in den Bemühungen, die Infrastruktur des Sportplatzes zu verbessern. Auf Initiative von Obmann Hans Mayer und sportlichem Leiter Helmut Arnold entstanden eine Kantine und eine überdachte Tribüne, die 1997 eröffnet wurde. Hans Mayer, der 1998 auf tragische Weise verstarb, war es nicht mehr vergönnt, den Meistertitel seiner Mannschaft mitzuerleben.Auf die Obmänner Ernst Schiegl und Werner Marx folgte im Jahr 2000 Hans Hagl. Innerhalb weniger Jahre führte er den Verein von der 1. Klasse bis in die 2. Landesliga. Die sportlichen Erfolge schlugen sich auch im Publikumsinteresse nieder. Da die Umkleidemöglichkeiten im Keller des Donauhofes sich als nicht mehr zeitgemäß erwiesen, wurde auf Anregung von Obmann Hans Hagl am Südende des Sportplatzes ein neuer Kabinenbau errichtet.Seit 2007 steht GR Manfred Bichler an der Spitze des Vereins, der – unabhängig vom jeweiligen Tabellenplatz – immer wieder ein treues Publikum findet.

Unsere Kicker ca. 1927

 

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 11. September 2009 )
 
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